Marit Wolters

CV

Studied at HfBK Dresden, Class for Sculpture and Architecture Related Media, Monika Brandmeier
and at Universität für angewandte Kunst Vienna with Brigitte Kowanz
BA in Art History and German Studies at TU Dresden (2006-2011) and Università degli Studi di Bologna (2008/2009)

born in Achim, Northern Germany

Grants/prices:

2017 Grant of the state of Austria for young artists
2017 Synaward for interdisciplinary research
2017 Residency at Bauhaus, Dessau
2016 Grant of the University of Applied Arts, Vienna
2016 Grant of the Friends of HfBK Dresden
2016 Residency at Lichtenbergstudios, Berlin
2015 First price for the public art project of
Peter Alexander Foundation, realization in 2017
2013 DAAD grant
2012 Price for the award design of Dresden Architektur award
2011 Photography award of Altana Galerie, Dresden

Exhibitions

2017

the humming rooms, Bauhaus Dessau (AT)
Außer Haus, Kunstverein Meißen (DE)
The Bilgeri-Scheutz-Estate, Vienna (AT)
Whitedwarf, Vienna (AT) (solo)
a working title is also a title, moë, Vienna (AT)
Conditio spatiale #1, SUPER, Vienna (AT)
Small 2, SUPER, Vienna (AT)
Leveling it up, Ex14, Dresden (DE) (solo)
Lightness and matter, Kunstraum Niederoesterreich, Vienna (AT)

2016
I was here tomorrow, Krinzinger Projekte (AT)
Hohle Form, Leeres Gitter, Raumschiff, Linz (AT)
That's somehow Greek to me, Installation at Oktogon, Dresden (DE)
Residency at Lichtenberg Studios, Berlin (DE)
komfort, curated by Charlotte Perrin, Lemgo (DE)
Edition #5, Kunstraum Super/Schwarzwaldalle, Vienna(AT)/Basel (CH)
last exit mo.ë , Vienna (AT)

2015
Performance at Black Mountain College, Hamburger Bahnhof, Berlin (DE)
Small Kunstraum Super, Vienna
No WallsFriday Exit, Vienna (AT)
5.Dresdner Biennale 5.Dresdner Biennale, Dresden (DE)
Re- Kunstraum Niederoesterreich (AT)
When Sophisticated People Think They are Having Fun FLUC- Kubatur des Kabinetts, Vienna (AT)
soft skills Ve.sch, Vienna (AT)
Beautiful Youth: Die Spiegelung der Fließrichtung mo.ë contemporary, Vienna (AT)

2014
Obsession Galerie Schloss Puchheim, Attnang-Puchheim (AT)
the room doesn't care Heiligenkreuzer Hof, Vienna (AT)
zwitschern zwischen zwischenzäunen Künstlerhaus Dortmund (DE)
Walk with Flags Conference of the Missing Things, Baltimore, (US)

2013
REPRESENTATION Gustav Wald – fine arts camping, Offenbach am Main (DE)
InterLAB: Cairo-Dresden tma- Trans Media Akademie Hellerau e.V. (DE)
Bits on Bricks Galerie Adam Ziege, Dresden (DE)
InterLAB: Cairo-Dresden Medrar for Contemporary Art/Downtown Contemporary Arts Festival Cairo (EG)
Part Galerie Peng, Mainz (DE)
Kabinettausstellung, Eschdorf (DE)
We are happy to share what we know with you Kunsthalle Weißensee, Berlin (DE)
Passage Universität der Künste, Berlin (DE)

2012
Frühwerk Galerie F14, Dresden (DE)
Zue Gadine Galerie Adam Ziege, Dresden (solo) (DE)
CynetArt Festspielhaus Hellerau, Dresden (DE)

2008-2011
Gedächtnis der Kunst Rehlovice (CZ), 2008
Recovery Viale XII Giugno Bologna (IT), 2008
Mnemosyne und Lethe Ostragehege Dresden (DE), 2008
LICHT Riesa efau, Dresden (DE) 2010
Stadt, Mensch, Taube Vorstadt, Dresden (DE) 2010 (solo)
CynetArt Festspielhaus Hellerau, Dresden (DE) 2011
Kunst in der Villa Ausstellungsraum für junge Kunst, Dresden (DE) 2011

Collections:

State Collection Austria
Foundation of Ostsaechsische Sparkasse

Bibliography:

Annexe, contribution to the aritst book by Hugo Bonamin, Paris 2017
Edition #5, Artist book published by Kunstraum Super, Vienna 2016
Re- Artist book published by Franz Thalmair, Revolver Publishing Berlin, 2015
Rohmaterial Sonderedition, Artist book, published by the Academy of Fine Arts Dresden, 2014
CynetArt, Festival for computer based art, Catalogue for the exhibtion, Dresden 2013
Gedächtnis der Kunst (Pamet umeni), Catalogue for the exhibition, Ùsti nad Labem 2008
CynetArt, Festival for computer based art, Catalogue for the exhibtion, Dresden 2012

Marit Wolters - Räume
von Dorothée Bauerle-Willert

Kunstwerke erschließen den Raum, gestalten ihn zum Ort, konstituieren ihn in dem steten Wechselspiel von Ausräumen und Einräumen,
von Zulassen und Einlassen – und gerade in der Plastik, der Skulptur ist das, „was zuerst und vor allem Einzelnen wahrgenommen wird,
in gewisser Weise der Raum selbst.“1 Aber Räume sind keine stabilen, voraussetzungslosen Behältnisse, die beliebig zu füllen wären.
Sie tragen Bedeutung in sich, tragen Bedeutung aus, richten Beziehungen ein. Die Kunst ist räumlich, auch wenn sie nicht greifbar ist,
und sie lebt von dem Verhältnis, das wir als Betrachter knüpfen. In einem zentrifugalen Impuls verbindet sich die Kunst mit ihrer Umgebung.
Kunst ist und bringt Bewegung. Standbein / Spielbein, Kontrapost und Dazwischen. Aber Kunst ist auch Material, denkt das Material in
Verbindung mit möglichen anderen Materialien und dem Raum selbst, der Ordnung, Kontext und Ortung herstellt. Das Feld der Kunst ist
offen und weit. Sie koaliert mit dem Raum, mit der Gegenwart, mit der Gesellschaft. Sie ist reale Präsenz und fordert immer wieder neu
gegenwärtiges Wahrnehmen und Erfassen. Aufmerksam beobachtet Marit Wolters den Raum, die Räume, in denen wir uns immer schon
bewegen. Die Künstlerin analysiert Strukturen und Funktionen, eröffnet Möglichkeiten, erschließt Potenziale, die dann verwandelt, in neue
Zusammenhänge eingefügt, neue Konstellationen bilden können. Dabei befragt sie in ihren Arbeiten immer auch das immaterielle Dazwischen,
die Relationen, das Über-, Unter- und Nebeneinander, das sich zwischen die Dinge schiebt, das Vielschichtigkeit, Mehrsichtigkeit provoziert
und der Wahrnehmung öffnet. „Drehen wir einmal soviel als möglich die Dinge um …“, diese Tagebuchnotiz von Robert Musil könnte auch als
Handlungsmuster für die räumlichen Eingriffe, für die Transformationen von Marit Wolters gelesen werden. Sie führt in die irritierenden,
inspirierenden Bereiche des Möglichkeitssinns, in dem alles, was wir sehen auch anders sein könnte. Die Künstlerin entfaltet in ihren Interventionen
ein Spielfeld, eine Bühne in der die Materialien, die Dinge den Raum ausleuchten und beleben, ihn zum unerschöpflichen Erfahrungsraum machen.
Die Öffnung des Blicks findet ein Korrelat (und Korrektiv) in der Reduktion der Mittel, zu der die vorgegebene Situation selbst die Spielregeln
schreibt. Subversiv und frei setzen die Arbeiten einen Dialog zwischen Medien, Materialien und Strukturen, zwischen der Architektur und einer
künstlerischen (Er)Lösung in Gang. In visuellen Kippfiguren wird Räumliches in die Fläche überführt und vice versa: Raumhandlungen der Übersetzung
im Doppelsinn von Überfahrt und Übertragung. Architektonische Elemente und Applikationen finden Wiedergänger und Doubles. Intimere Räume
mit ganz anderer Atmosphäre werden in unterkühlte Transitorien eingefügt, Muster setzen Raumdetails, Gänge, und Wände in rhythmisierte
Bewegung, dynamisieren das Raumkontinuum. Das Mostrare/Zeigen, das im Wort Muster steckt, wird damit auch ein Sich-Zeigen
des Wahrnehmungsprozesses. In jeder Arbeit ergeben sich Schwingungen, Oszillationen zwischen den gesetzten Rastern, zwischen
Raum und Fläche, zwischen Präzision und Unabwägbarkeit. Mit mitunter minimalen Eingriffen, die oft eher spürbar als ohne weiteres sichtbar sind,
erkundet Marit Wolters grundsätzliche Dimensionen ästhetischer Erfahrung, die sich ästhetischer Erkenntnis verschwistert. Dabei geht es immer auch
um das Eingelassensein der Wahrnehmung in das Wahrgenommene und die Doppelbewegung des sinnlichen In-der-Welt-seins:
„Der (menschliche) Körper ist nicht nur im Raum, er wohnt ihm ein.“(2)
In den Installationen, in den graphisch bezeichneten Flächen, in den Objekten von Marit Wolters und in dem, was sich in den Zwischenräumen ereignet,
geht es weniger um den Zustand als um einen Prozess, der die uneinholbare Prozessualität des Sehens einbezieht, der sich der Fixierung und
Kontrolle entzieht. Dabei ist der Raum Teil und Auslöser der Entwürfe, die die Welt nicht als unabhängiges Bild zeigen,
sondern in ein Feld von Möglichkeiten verwandeln. In all diesen Arbeiten, so unaufdringlich und nonchalant sie sich dem Raum einfügen,
fließt so etwas wie das älteste und andauerndste Glücksfluidum: Aufmerksamkeit.

Dorothée Bauerle-Willert

1 Gernot Böhme: Atmosphäre. Essays zur Neuen Ästhetik. Frankfurt am Main 1995, S. 95
2 Maurice Merleau-Ponty, Phänomenologie der Wahrnehmung, Berlin 1965, S.169